Alcúdia

Alcúdia ist eine Stadt im Nordosten Mallorcas auf der Baleareninsel in der Region Raiguer. Sie liegt auf einer Landzunge zwischen der Bucht von Alcúdia (Badia d’Alcúdia) im Osten und der Bucht von Pollença (Badia de Pollença) im Westen. Die Entfernung zur Inselhauptstadt Palma beträgt rund 55 Kilometer. Alcúdia ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Gemeinde, die eine Fläche von etwa 60 Quadratkilometern umfasst und rund 20.000 Einwohner hat. Der historische Stadtkern liegt rund zwei Kilometer vom Meer entfernt.

Geografische und historische Grundlagen

Die Lage von Alcúdia auf der schmalen Halbinsel zwischen zwei großen Buchten war bereits in der Antike strategisch von Bedeutung. Die römische Stadt Pollentia wurde hier im 1. Jahrhundert v. Chr. gegründet und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Handels- und Kulturzentren der Insel Mallorca. Nach dem Untergang des Römischen Reichs und der arabischen Besiedlung im 10. Jahrhundert wurde der Ort unter der Herrschaft von König Jaume I. im 13. Jahrhundert neu besiedelt.

Im 14. Jahrhundert ließ König Jaume II. eine Stadtmauer errichten, um Alcúdia gegen Angriffe zu schützen. Diese Befestigung ist bis heute weitgehend erhalten und prägt das Stadtbild. Im Inneren der Mauern befinden sich Gassen, Wohnhäuser, Kirchen wie die Església Parroquial und öffentliche Gebäude, die aus unterschiedlichen Jahrhunderten stammen. Der mittelalterliche Grundriss der Stadt blieb unverändert erhalten.

Stadtmauer und Altstadt

Die Stadtmauer von Alcúdia ist rund 1,5 Kilometer lang und besteht aus zwei Haupttoren: Porta de Sant Sebastià im Süden und Porta de Moll (Porta de Xara) im Norden. Besucher können die Mauer teilweise begehen. Von dort bietet sich ein Überblick über die Struktur der Altstadt. Die Befestigungsanlage stammt aus dem späten 14. Jahrhundert, wurde mehrfach restauriert und zählt zu den am besten erhaltenen Stadtmauern auf der Baleareninsel Mallorca.

Innerhalb der Mauern befinden sich historische Gebäude, darunter mehrere Herrenhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Altstadt ist weitgehend autofrei. Schilder weisen auf archäologische und architektonische Besonderheiten hin.

Pfarrkirche Sant Jaume und Pfarrmuseum

Die Església de Sant Jaume steht unmittelbar an der Stadtmauer. Die heutige neugotische Kirche wurde im Jahr 1893 eingeweiht und ersetzte eine frühere, im 14. Jahrhundert erbaute Kirche. Im Inneren befindet sich eine Seitenkapelle, in der das Pfarrmuseum (Museu Parroquial) untergebracht ist. Dort werden liturgische Geräte, Reliquien und religiöse Kunstwerke aus mehreren Jahrhunderten gezeigt. Die Kirche ist täglich geöffnet, der Eintritt in das Museum ist kostenpflichtig.

Römische Ausgrabungen von Pollentia

Die archäologische Stätte Pollentia liegt südlich der Altstadt an der Straße Carrer Portella. Die Stadt wurde im 1. Jahrhundert v. Chr. von den Römern gegründet und war etwa 500 Jahre bewohnt. Erhalten sind Teile des Wohnviertels La Portella, Fragmente öffentlicher Gebäude und das römische Theater aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., das etwa 2.000 Zuschauer fasste.

Das Museu Monogràfic de Pollentia befindet sich in der Altstadt in der Nähe der Kirche Sant Jaume. Es zeigt Fundstücke aus den Ausgrabungen, darunter Keramiken, Schmuck, Werkzeuge und Münzen. Die Anlage ist von Dienstag bis Sonntag geöffnet, die Öffnungszeiten variieren saisonal.

Weitere Sehenswürdigkeiten innerhalb der Gemeinde Alcúdia

Torre Major:
Ein Wehrturm aus dem 16. Jahrhundert südlich der Stadt. Er gehörte zum historischen Verteidigungssystem gegen Piratenüberfälle. Der Turm ist von außen zugänglich, der Aufstieg ist nicht möglich.

Ermita de la Victoria:
Kleine Wallfahrtskirche aus dem Jahr 1679 auf der Halbinsel La Victoria. Sie befindet sich etwa sieben Kilometer nördlich von Alcúdia und ist über eine kurvenreiche Straße erreichbar. In unmittelbarer Nähe liegen ein Picknickplatz, ein Aussichtspunkt und mehrere Wanderwege.

Sa Bassa Blanca Museum (MSBB):
Kunstmuseum in einem historischen Landhaus östlich von Alcúdia. Es zeigt eine Sammlung moderner Kunst, ethnografischer Objekte und Skulpturen. Auf dem Gelände befinden sich ein Skulpturenpark und ein botanischer Garten. Das Museum ist privat geführt, der Eintritt ist kostenpflichtig.

Oratori de Santa Anna:
Kleine Kapelle aus dem 13. Jahrhundert südlich der Stadtmauer. Sie ist eines der ältesten noch erhaltenen christlichen Bauwerke der Region.

Hafen und Umgebung

Der Hafen von Alcúdia, bekannt als Port d’Alcúdia, ist ein lebendiger Treffpunkt und bildet das maritime Herz der stadt. Hier verbinden sich mediterranes Lebensgefühl, moderne Infrastruktur und die natürliche Schönheit der mallorquinischen Küste. Der hafen lädt zu entspannten Spaziergängen entlang der Promenade ein, während zahlreiche Cafés, Restaurants und kleine Geschäfte für Abwechslung sorgen. Für Aktivurlauber bietet der Hafen vielfältige Möglichkeiten: Segeln, Surfen, Angeln oder einfach das bunte Treiben der Boote beobachten – hier kommt jeder auf seine Kosten.

In unmittelbarer Nähe des Hafens erstrecken sich einige der schönsten Sandstrände der Insel, darunter die weitläufige Playa de Alcúdia und die Playa de Muro. Diese strände sind bekannt für ihren feinen Sand, das kristallklare Wasser und die familienfreundliche Atmosphäre. Die Umgebung von Alcúdia ist zudem ein Paradies für Naturliebhaber: Zahlreiche Wander- und Radwege führen durch die abwechslungsreiche Landschaft des Nordens, vorbei an Dünen, Pinienwäldern und kleinen Buchten. Ein besonderes highlight ist das Cap de Formentor, das nördlichste Ziel der Insel. Von hier aus genießt man spektakuläre Ausblicke auf das Meer und die unberührte Natur der Halbinsel – ein Muss für jeden Besucher, der die landschaftliche Vielfalt Mallorcas erleben möchte.

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

In der Umgebung von Alcúdia befinden sich mehrere kulturelle und landschaftliche Ziele, die mit dem Auto oder zu Fuß erreichbar sind.

Naturpark S’Albufera de Mallorca:
Rund acht Kilometer südlich von Alcúdia liegt das größte Feuchtgebiet der Baleareninsel. Das Gebiet umfasst etwa 1.700 Hektar und steht unter Naturschutz. Es ist ein bedeutender Lebensraum für Zugvögel, insbesondere Reiher, Enten und Flamingos. Besucher müssen sich am Eingang registrieren. Es gibt mehrere markierte Wanderwege und Beobachtungsplattformen.

Halbinsel La Victoria:
Die Halbinsel trennt die Buchten von Alcúdia und Pollença. Sie besteht überwiegend aus Kalkstein und ist von Kiefernwäldern bedeckt. Neben der Ermita de la Victoria befinden sich hier mehrere Aussichtspunkte und Wanderwege. Die Straße endet am Parkplatz bei der Kapelle. Von dort führen Pfade weiter zu Aussichtspunkten auf den Penya des Migdia und zur abgelegenen Bucht Coll Baix.

Puig de Sant Martí:
Ein 247 Meter hoher Hügel südlich von Alcúdia. Er ist über Wanderwege erreichbar und bietet eine weite Sicht über die Bucht und die Ebene von Sa Pobla.

Wanderrouten

Route zur Ermita de la Victoria:
Ausgangspunkt: Stadtzentrum Alcúdia. Strecke: etwa 7 Kilometer einfach. Gehzeit: ca. 2 Stunden. Höhenunterschied: rund 250 Meter. Der Weg verläuft über Landstraßen und Waldwege.

Wanderung zum Coll Baix:
Ausgangspunkt: Parkplatz am Ende der Straße Camí del Coll Baix. Länge: ca. 7 Kilometer hin und zurück. Dauer: etwa 2,5 Stunden. Der Weg führt durch Kiefernwald und felsiges Gelände zu einer abgelegenen Bucht mit feinem Kies. Trittsicherheit ist erforderlich.

Rundweg um den Puig de Sant Martí:
Leichte Wanderung ohne große Steigungen. Strecke: etwa 6 Kilometer. Dauer: ca. 1,5 Stunden. Der Rundweg führt durch mediterrane Vegetation und bietet Aussichtspunkte auf die umliegende Landschaft.

La Victoria – Penya des Migdia:
Mittelschwere Tour mit Aufstieg von der Ermita de la Victoria zum Gipfel. Strecke: 6 Kilometer hin und zurück. Dauer: etwa 2 Stunden. Vom Gipfel bietet sich ein Überblick über beide Buchten.

Museen in Alcúdia

Museu Monogràfic de Pollentia:
Schwerpunkt: Archäologie der römischen Zeit. Adresse: Carrer Sant Jaume, Altstadt. Verwaltung: Consell de Mallorca.

Museu Parroquial:
Kirchliche Sammlung in der Kirche Sant Jaume. Schwerpunkt: sakrale Kunst und lokale religiöse Geschichte.

Museu Sa Bassa Blanca:
Private Sammlung moderner Kunst, historische Möbel, Kinderporträts und Skulpturenpark. Adresse: Camí del Coll Baix s/n.

Parkmöglichkeiten für Tagestouristen

Altstadt Alcúdia:
Mehrere kostenlose öffentliche Parkplätze liegen außerhalb der Stadtmauer. Der größte befindet sich an der Carretera d’Inca, nahe der Porta de Moll. Weitere Parkplätze liegen an der Avinguda Príncep d’Espanya und an der Carrer Pollentia. Innerhalb der Altstadt ist der Verkehr eingeschränkt, Anwohner benötigen Zufahrtsgenehmigungen.

Ausgrabungen Pollentia:
Eigener Parkplatz an der Carrer Portella. Von dort sind sowohl die Ausgrabungsstätte als auch die Altstadt in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar.

Naturpark S’Albufera:
Parkmöglichkeiten am Haupteingang in Es Comú de Muro. Von dort führen markierte Wege durch das Schutzgebiet.

Ermita de la Victoria und Coll Baix:
Kleine Parkbuchten entlang der Zufahrtsstraße. In der Hauptsaison können Plätze knapp sein. Zufahrt mit größeren Fahrzeugen ist eingeschränkt.

Strände und Buchten in Alcúdia und Umgebung

Die Gemeinde Alcúdia verfügt über mehrere Strände mit unterschiedlichen Eigenschaften.

Platja d’Alcúdia (östlicher Abschnitt):
Feinsandiger Strand östlich der Altstadt. Länge: etwa 3 Kilometer. Breite: bis zu 100 Meter. Der Strand fällt flach ins Meer ab und ist für Familien geeignet. Infrastruktur: Duschen, Rettungsschwimmer, Sanitäranlagen.

Platja de Muro:
Direkt südlich anschließender Strandabschnitt. Länge: rund 5 Kilometer. Der Bereich zwischen den Strandabschnitten Es Comú und Ses Casetes ist Teil eines Naturschutzgebiets. Der Zugang erfolgt über Holzstege.

Platja de Sa Marina:
Küstenabschnitt westlich von Alcúdia in Richtung Pollença. Naturstrand mit flachem Wasser und geringem Wellengang. Keine Serviceeinrichtungen. Geeignet für Spaziergänge und Wassersport mit leichtem Wind.

Cala S’Illot:
Kleine Bucht auf der Halbinsel La Victoria. Untergrund: Kies und Felsen. Zugang über einen kurzen Fußweg vom Parkplatz an der Straße zur Ermita de la Victoria. In der Umgebung befinden sich Picknickflächen.

Cala Pudent:
Felsige, naturbelassene Bucht auf der Nordseite der Halbinsel La Victoria. Zugang über Wanderpfad. Keine Infrastruktur.

Platja des Coll Baix:
Abgeschiedene Bucht zwischen hohen Felsen. Untergrund: feiner Kies und Sand. Zugang ausschließlich zu Fuß über den Wanderweg vom Parkplatz Camí del Coll Baix. Keine Versorgungsmöglichkeiten.

Praktische Hinweise

Öffentliche Verkehrsmittel:
Alcúdia ist mit dem Busnetz des Unternehmens TIB (Transports de les Illes Balears) verbunden. Linien verbinden Alcúdia mit Palma, Inca, Pollença und Can Picafort.

Eintrittspreise:
Die Besichtigung der Altstadt ist kostenlos. Für die Ausgrabungen von Pollentia und die Museen wird Eintritt erhoben.

Beste Reisezeit:
Für Stadtrundgänge und Wanderungen eignen sich die Monate März bis Juni und September bis November. In den Sommermonaten ist mit höheren Temperaturen und Besucheraufkommen zu rechnen.

Touristeninformation:
Das städtische Informationsbüro befindet sich an der Plaça Carles V in der Altstadt. Öffnungszeiten variieren saisonal.

Zusammenfassung

Alcúdia ist eine historische Kleinstadt im Nordosten Mallorcas mit vollständig erhaltener Stadtmauer, römischen Ausgrabungen, mehreren Museen und einer Vielzahl von Wander- und Naturgebieten in unmittelbarer Umgebung. Die Region bietet mehrere Strände und Buchten mit unterschiedlichen Charakteristika, von weitläufigen Sandstränden wie der Playa de Alcúdia und Playa de Muro bis zu abgelegenen Felsküsten. Parkmöglichkeiten sind ausreichend vorhanden. Der Ort ist sowohl für Tagesbesucher als auch für längere Aufenthalte als Reiseziel für einen abwechslungsreichen Urlaub auf Mallorca geeignet.

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